Kinderzähne richtig pflegen, so geht es

 Kinderzähne richtig Pflegen, so geht es


Einfach die Zahnbürste in den Mund stecken und losputzen - wenn es mal so einfach wäre. Vor allem kleinen Kindern ist das borstige Ding meist sehr suspekt. Die gute Nachricht: einfach weitermachen. Irgendwann haben sie sich daran gewöhnt.

 von dpa 

11. September 2017, 04:53 Uhr

Stavenhagen (dpa/tmn) - Ab dem ersten Milchzahn putzen und das Kind dabei mit Liedern oder Spielen animieren. So weit, so gut. In der Praxis kaut der Nachwuchs aber nur auf der Zahnbürste rum oder läuft weg. Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, gibt Eltern Tipps:

Was ist besser für Kinder: Elektrische Zahnbürste oder Handzahnbürste?

Pauschal lässt sich das nicht sagen, es gibt keine Untersuchungen dazu, was besser ist. Oft finden kleine Kinder eine elektrische Zahnbürste aber spannender, so dass sie sich leichter zum Putzen bewegen lassen. Einziger Nachteil: Mit der elektrischen Bürste lernen Kinder weniger schnell, mit Geschick die richtigen Putzbewegungen auszuführen. Gut ist deshalb, wenn Eltern ihnen abwechselnd Hand- oder elektrische Zahnbürste geben.

Worauf sollte man bei der Auswahl von Kinderzahnpasta achten?

Darauf, dass für Kinder bis sechs Jahre der Fluoridanteil bei maximal 500 ppm (parts per million) liegt. Nachlesen lässt sich das hinten auf der Verpackung. Ab sechs Jahren brauchen Kinder dann keine eigene Zahnpasta mehr, sie können die der Erwachsenen mitbenutzen.

Welche Tricks funktionieren beim Zähneputzen besonders gut?

Eltern können auf den Gewöhnungseffekt hoffen. Irgendwann ist das Zähneputzen so ritualisiert, dass es einfach dazugehört. Bis dahin können es Eltern zum Beispiel mit einem tiefhängenden kleinen Spiegel probieren, in dem sich die Kinder beobachten. «Gut ist auch, wenn die Kinder und Erwachsenen regelmäßig gemeinsam putzen.» Und auch, wenn das Putzen der ersten Milchzähne recht kurz ausfällt: Weniger ist besser als nichts. «Wichtig ist, dass Fluorid an die Milchzähne kommt.»

Muss man schon mit Kleinkindern zum Zahnarzt?

Sinnvoll wäre es. Zum einen, um Schäden am Zahn früh zu bemerken: «Etwa 15 Prozent der Kleinkinder haben frühkindlichen Karies.» Ausgelöst wird er oft durch süße und säurehaltige Getränke in der Flasche. Zum anderen ist es gut, Kinder so früh wie möglich mit der Prozedur vertraut zu machen. Es schadet deshalb nicht, schon bei den ersten Milchzähnen zum Zahnarzt zu gehen.

– Quelle: https://www.svz.de/17796531 ©2018

Prophylaxe: Was Eltern und wir für gesunde Kinderzähne tun können

Karies und Zahnfleischentzündungen zählen zu weit verbreiteten Erkrankungen beim Kind. Besonders das Milchgebiss ist pflegebedürftig. Auch wenn die Zähne irgendwann vom bleibenden Gebiss ersetzt werden, darf die Pflege nicht vernachlässigt werden. Milchzähne haben vielerlei Bedeutung. Sie dienen der Nahrungsaufnahme, der Sprachbildung und als Platzhalter für kommende Zähne. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind ebenso wichtig wie die richtige Zahnputztechnik.

In unserer Zahnarztpraxis bieten wir als Vorsorgemaßnahme für Kinder und Jugendliche die vier Stufen des Individualprophylaxe-Programms an. Alle Kinder vom 6. bis 18. Lebensjahr haben einen Anspruch (gesetzliche Krankenkasse) auf Leistungen der Individualprophylaxe (IP).

Fragen Sie uns! Wir beraten Sie und geben Tipps rund um das Prophylaxeprogramm. 

Gesunde Kinder-Zähne von Anfang an

Auch schon während der Schwangerschaft gibt es viel zu beachten – auch im Hinblick auf Ihre Mundgesundheit und die des ungeborenen Kindes. Daher ist während der Schwangerschaft eine perfekte Mundhygiene wichtig. Idealerweise besuchen Sie uns zu Beginn der Schwangerschaft – so können wir gemeinsam den weiteren individuellen Weg bestimmen.

Nach den ersten Monaten der Geburt – also noch vor dem ersten Zahn – ist die richtige Mundpflege zu beachten. Es gibt verschiedene Methoden zur sanften Reinigung des Mundes. Eine leichte Massage des Zahnfleisches hilft dabei, den quälenden Schmerz beim ersten Zahndurchbruch zu verhindern. Sprechen Sie uns an!

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bakterienübertragung vom Mund eines Erwachsenen in den Kindermund. Normalerweise finden sich im Mund von Säuglingen noch keine Kariesbakterien. Diese werden erst von Eltern oder Betreuungspersonen übertragen, indem Schnuller und Flaschensauger abgelutscht und anschließend dem Säugling in den Mund geben werden.

Unsere Kinder-Spezialisten geben Ihnen gerne wertvolle Tipps.

Und endlich sind sie da!

Damit die Kinderzähne lange schön und gesund bleiben, ist die optimale Pflege wichtig. Schützen Sie die Milchzähne vor Karies und Ihre Kinder vor Schmerzen! Zucker- und säurehaltige Nahrungsmittel sollten möglichst reduziert gegeben werden. Denn der Zahnschmelz wird durch die Säure angegriffen. Hingegen können richtig dosierte Fluoride (zum Beispiel vorhanden in Speisesalz, Mineralwasser, Zahnpasta) kleine Wunder vollbringen. Fluorid sorgt effektiv von außen für einen widerstandsfähigen Zahnschmelz.

Aber:

Fluorid darf nicht überdosiert werden.

Fluorid ersetzt nicht das Zähneputzen.

Beim Zähneputzen ist auf die richtige Technik und die Art sowie Menge der Zahncreme zu achten. Bei Kindern reicht ein Hauch von Zahncreme, nicht mehr als erbsengroß. Unterstützen Sie Ihre Kinder bei der Zahnpflege – nicht nur im Kleinkind-Alter ist diese Hilfe wertvoll!

Wenn der Schmelz zu kurz kommt

MIH (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation) beschreibt eine Schmelzbildungsstörung. Diese kann bereits vor dem Durchbruch der bleibenden Backenzähne (Molaren) sowie Schneidezähne (Inzisiven) auftreten. Oftmals sind die Schneidezähne seltener oder weniger stark betroffen als die Backenzähne. Erste Hinweis auf diese entwicklungsbedingte Erkrankung sind gut sichtbare gelblich-bräunliche oder weißlich-bräunliche Flecken im Zahnschmelz. Zirka 10% der Kinder in Deutschland sind betroffen. Die Entstehung ist noch unklar. Ein weicherer, poröser und somit kariesanfälliger Zahnschmelz macht die Zähne der kleinen Patienten häufig temperatur- und berührungsempfindlich. Alltägliche und gewöhnliche Aktivitäten wie das regelmäßige Zähneputzen oder die Aufnahme von kalten und heißen Nahrungsmitteln können sehr schmerzhaft sein. Eine erste Diagnose kann im Alter von etwa 6 Jahren erfolgen.

Individuelle Behandlung für jedes Kind

Abhängig vom Durchbruch der bleibenden Zähne und vom Schweregrad der Schmelzbildungsstörung legen wir eine individuell auf unsere kleinen Patienten abgestimmte Therapie fest. Wir empfehlen, regelmäßige Kontrolltermine im Abstand von 3 bis 6 Monaten zu vereinbaren.

Sollte man schon vor Durchbruch des ersten Zähnchens­ putzen üben?

Keine schlechte Idee. Kinderzahnärztin Dr. Jacqueline Esch aus München rät: "Massieren Sie den Kieferkamm Ihres Kindes ­ruhig von Geburt an sanft mit einem befeuchteten Wattestäbchen oder einem Mundpflege-Fingerling. Am besten nach jedem Stillenbeziehungsweise nach jeder Mahlzeit." Die Kleinen gewöhnen sich so an die tägliche Mundhygiene, empfinden sie später als selbstverständlich. Und die Massage tut gut, wenn die ersten Zähne drücken.

Für ­­Babys eignen sich Zahnputz-Fingerhütchen mit Bors­ten aus weichem Gummi oder ein Waschlappen-Fingerling. Anschließend das Hütchen oder den kleinen Handschuh unter heißem Wasser abwaschen und an der Luft trocknen lassen.

Welche Zahnbürste ist die richtige?

Ein kleiner Bürstenkopf mit weichen Borsten schont das ­sensible Zahnfleisch. Achten Sie auf die Alters­angaben der Hersteller, dann liegen Sie mit der Größe des Bürsten­kopfes und der Länge und ­Dicke des Griffs ab dem ersten Zahn richtig. "Sobald erste Abnutzungs­erscheinungen zu sehen sind, ­also die Borsten schräg abstehen, gibt es eine neue Zahnbürste", so Jacque­line Esch. Das kann anfangs häufig­ der Fall sein, weil Kleinkinder ­gerne auf der Bürste herumkauen.

Ein vollständiges Kindergebiss verfügt über 20 Zähne. Bei Erwachsenen sind es inklusive Weisheitszähne 32

© W&B/Astrid Zacharias

Welche Zahnpasta und wie viel davon sollen wir nehmen?

Ab dem sechsten Lebensmonat empfehlen Experten einmal täglich einen erbsengroßen Klecks Zahnpasta mit einem Fluorid­gehalt von 0,05 Prozent (entsprechend 500 ppm). "Nach dem ers­ten Geburtstag wird ­diese Zahnpasta zweimal täglich verwendet", sagt Esch. Nehmen die Kinder Fluorid­tabletten ein, sollten Eltern aber fluoridfreie Zahncreme ­wählen. Welche Alternative besser ist, 

darüber sind Experten oft uneins.

 

Dr. Jacqueline Esch ist Kinder­zahnärztin aus München und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Kinderzahnärzte

© W&B/Privat

Kinderzahnärztin Dr. Mo­nika Prinz-Kattinger aus Essen sagt: "Aus zahnärztlicher Sicht empfehle ich fluoridierte ­Zahnpasta statt Tabletten. Fluorid auf den Zahn ­direkt aufzutragen, beugt ­Kariesunserer Meinung nach ­effektiver vor." Brechen mit etwa sechs Jahren die ersten bleibenden Zähne durch, brauchen Kinder eine Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid.

Ab wann kann man elektrisch putzen?

"Manche Kinder sind mit drei Jahren so weit, andere schon mit anderthalb – und manche trauen sich gar nicht, weil sie Angst davor haben", hat Monika Prinz-Kattinger festgestellt. Elektrisch putzen ist generell kein Muss. Ob die Zahnbeläge akkubetrieben oder von Hand gründlich entfernt werden, macht keinen Unterschied. Einen Vorteil sieht die Expertin bei Elektrobürsten mit Andrucksensor: "Die Bürste stoppt, wenn zu viel Druck ausgeübt wird. Beim manuellen Putzen haben das oft weder die Eltern noch das Kind so genau im Gefühl, und das Zahnfleisch wird dann manchmal wund."

Dr. Monika Prinz-Kattinger ist Kinderzahnärztin aus Essen und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Kinderzahnärzte

© /Ardent Group

Bis zu welchem Alter müssen Eltern nachputzen?

Viel länger, als sie wahrscheinlich denken – nämlich ungefähr bis zum neunten Lebensjahr. "Erst, wenn Schulkinder eine schöne Schreibschrift entwickelt haben, ist die Motorik zum Selberputzen ausgereift. Erst dann erwischen die Kinder wirklich alle Ecken und Kanten der Zähne", erklärt Jacque­line Esch. Davor heißt es: Die Kleinen putzen vor, so gut es geht, ­­Mama oder Papa bürsten nach.

Was tun, wenn das Kind sich sträubt?

Manche veranstalten ein Riesen­theater oder pressen unerbittlich die Lippen zusammen. Da ist Einfühlungsvermögen gefragt, sagt Monika Prinz-­­Kattinger: "Viele Kinder sind im Mundraum hochsensibel und empfinden das Putzen als unangenehm. Gehen Sie möglichst spielerisch an die Sache heran." Um eine bereits angespannte Situation zu entschärfen, rät Esch, mal nicht im Bad, sondern im Kinderstuhl, auf dem Wickel­tisch unterm drehenden Mobile oder auf Mamas oder Papas Schoß zu putzen.

Spiele für leichteres Zähneputzen

Je nach Alter helfen auch verschiedene Spiele. Reime lenken jüngere Verweigerer ab, zum Beispiel:

Zähneputzen, Zähneputzen – das muss jedes Kind. Zähne­putzen, Zähne­­putzen – bis sie sauber sind.

Ritsche, ratsche, hin und her, Zähneputzen ist nicht schwer. Kreise, Kreise, rundherum, Zähneputzen ist nicht dumm. Wir fegen aus, wir fegen aus, die Krümel müssen alle raus.

Oder ein Zahnputz-Lied (Melodie: Ein Männlein steht im Walde): Wir putzen unsere Zähne von Rot nach Weiß. Wir führen unsere Bürste stets rund im Kreis. Morgens, wenn ich früh aufsteh‘, abends, wenn zu Bett ich geh‘, putz ich meine Zähne so weiß wie Schnee.

Oder: den Zähnen Tiernamen geben ("Jetzt putzen wir ­vorne die Mäusezähne, da hinten schaut der Bärenzahn heraus"). ­Dazu das Lieblingslied anmachen oder ­einen Eierwecker laufen lassen, damit wirklich zwei bis drei Minuten lang geputzt wird.

Mit ä­lteren Kindern könnten Eltern auch ­einen Wettbewerb veranstalten: Wer kann am längsten putzen, ohne auszuspucken? Und wenn die Familie nach den Mahlzeiten gemeinsam den Karies-Kampf startet, motiviert das natürlich besonders.

Soll man Kinder zum Zähneputzen zwingen?

"Strampelt Ihr Kind tatsächlich wie wild, muss der andere Eltern­teil mithelfen. Da empfiehlt sich die Knie-zu-Knie-Position." Dazu sitzen die Erwachsenen Knie an Knie auf zwei Stühlen gegenüber. Der Hinterkopf des Kindes ruht in Mamas Schoß, der Po in Papas Schoß oder umgekehrt. Die ­Zähne werden im Liegen geputzt, ­Arme und Beine kann man auf diese ­Weise sanft im Zaum halten. Beide Expertinnen sind sich einig: Auch wenn es sich mühsam gestaltet, ist Zähneputzen nicht verhandelbar!

Sollen Kinder auch schon Zahnseide benutzen?

Kommt darauf an. "Stehen die ­Zähne so weit auseinander, dass man ohne Probleme an alle Zahnflächen mit der Bürste rankommt, muss das nicht sein", meint Prinz-Kattinger. Allerdings liegen die Kontaktflächen der Backenzähne meist dicht an dicht. Da kann Zwischenraumkaries entstehen, wenn Sie keine Zahnseide verwenden. "Lassen Sie sich die richtige Technik vom Zahnarzt zeigen, denn es braucht schon ein gewisses Geschick, vor allem, wenn das Kind vielleicht nicht ganz stillhält."

Ist es schlimm, wenn man das Putzen mal auslässt?

Das Kind ist im Auto eingeschlafen oder hat einen schlimmen Quengel-Tag. Dann kann man doch einmal das Zähneputzen ausfallen lassen … "Lieber nicht", so Jacqueline Esch, "denn erfahrungsgemäß werden Eltern, die sich auf solche Ausnahmen einlassen, mit der Zeit eher nachlässig." Zweimal täglich wird geputzt, auch bei schlechter Laune oder halb schlafend im Bett.

In der Kita werden keine Zähne geputzt. Ist das schlimm?

Nein. "Es genügt, wenn täglich mor­gens und abends gründlich geputzt wird", so Prinz-Kattinger. "Sie können Ihrem Kind vermitteln, nach dem Essen ein Glas Wasser zu trinken. Damit werden schon viele schädliche Säuren weggespült."

Müssen es drei Minuten sein?

"Das ist nur ein Richtwert", sagt Prinz-Kattinger. "Jede ­Sekunde Putzen ist wertvoll. Putzen Sie nach dem K-A-I-Prinzip: immer Kauflächen – Außen – Innen, an jedem einzelnen Zahn." Wenn Sie damit nach zwei Minuten fertig sind, auch okay.

 

Von Anfang an wichtig

10 wichtige Fakten zur Pflege von Kinderzähnen

Das Zähneputzen gehört weder bei Kindern noch bei den unterstützenden Eltern zu Lieblingsbeschäftigung. Dabei ist es so wichtig! Wir erklären, wie Karies entsteht, wie du am besten putzt und was für die Zähne deiner Kinder außerdem wichtig ist.

Autor: Gabriele Möller

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In diesem Artikel:

Karies ist eine Infektionskrankheit

Zucker löst keine Karies aus

Fluortabletten fürs Baby - eine Streitfrage

Milchzähne brauchen nicht weniger Pflege als bleibende!

Die richtige Putztechnik: "KAI" macht weiße Zähne!

Zähne putzen - bis ins Schulalter nur in Teamwork!

Wenn das Kind nicht Zähne putzen will

Offener Biss durch Daumen oder Schnuller

Schon mit Milchzähnen das erste Mal zum Zahnarzt

Bei tiefem Rillen sollten die Zähne versiegelt werden

Karies ist eine Infektionskrankheit

Foto: © colourbox

Karies ist die am weitesten verbreitete, ansteckende Infektionskrankheit: Mehr als 95 Prozent aller Erwachsenen sind betroffen. Und auch bei Kindern ist die Infektionsrate hoch. Sie stecken sich oft schon als Baby damit an, und zwar meist über die Eltern: wenn diese mit dem Mund die Temperatur des Fläschchens testen, den heruntergefallenen Schnuller ablecken, bevor sie ihn dem Kind zurückgeben, den Brei fürs Baby vorkosten oder es auf den Mund küssen. Ein Kind, das sich schon sehr früh mit Karieserregern ansteckt, hat ein hohes Risiko, schon mit unter fünf Jahren die ersten Löcher in den Zähnen zu bekommen (89 %).

 

 

 

Zucker löst keine Karies aus

Zucker und Süßigkeiten selbst lösen keine Karies aus. Sie dienen lediglich als Futter für die Kariesbakterien, die den Zucker beim Verdauen in Säure umwandeln. Und die ist der Übeltäter, der den Zahnschmelz angreift und "Löcher" verursacht. Geschieht so ein Säureangriff nur selten, kann der Speichel die Säure rechtzeitig wieder neutralisieren. Zahnärzte erklären deshalb: Nicht die Menge des Zuckers ist entscheidend, sondern die Häufigkeit der Zuckeraufnahme. Ein Kind, das ein Mal am Tag einen Schokoriegel bekommt, ist also weniger gefährdet, als eines, das mehrmals täglich einen Butterkeks isst, oder gern ausgiebig an seinem Fläschchen mit gesüßtem Tee nuckelt.

Fluortabletten fürs Baby - eine Streitfrage

Sowohl Zahnärzte als auch Kinderärzte sind sich einig: Fluorid hilft den Zähnen, härtende Mineralien einzulagern und sich so besser vor Karies zu schützen. Uneinig sind sich beide Gruppen aber, ob Säuglinge und Kleinkinder Fluortabletten einnehmen sollten. Zahnarztverbände erklären, die äußerliche Gabe von Fluorid durch Kinderzahncremes reiche völlig aus. Kinderärzte empfehlen dagegen für Säuglinge und Kinder bis drei Jahre eine Fluoridgabe von 0,25 mg täglich in Tablettenform. Nur so sei eine ausreichende Versorgung mit Fluorid gewährleistet. Eltern müssen also (evt. in Absprache mit ihrem Zahn- oder Kinderarzt) selbst entscheiden, welchen Weg sie gehen möchten. Entscheiden sie sich für eine Tablettengabe, müssen sie die Zähne des Kindes mit einer fluoridfreien Zahncreme putzen und dürfen beim Kochen kein fluoridiertes Speisesalz verwenden, um eine Überdosierung zu vermeiden.

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Milchzähne brauchen nicht weniger Pflege als bleibende!

Manche Eltern glauben, Milchzahnpflege sei nicht ganz so wichtig, weil die ersten Zähne sowieso nicht bleiben. Doch Milchzähne, die von Karies befallen sind, faulen besonders schnell, weil ihr Schmelz recht weich ist. Es gibt sogar kleine Kinder, die Prothesen tragen müssen, weil ihnen der Zahnarzt alle zerstörten Milchzähne entfernen musste. Außerdem stecken von Karies befallene Milchzähne leicht die nachkommenden bleibenden Zähne an. Deshalb empfehlen Zahnärzte, schon ab dem allerersten Milchzahn konsequent zu putzen. Im ersten Lebensjahr sollten die Zähne mindestens ein Mal täglich mit einer erbsengroßen Menge Zahncreme gereinigt werden. Die ersten Einzelzähne beim Baby kann man dabei auch mit einem Tuch vorn und hinten abreiben. Ab dem ersten Geburtstag sollte zweimal täglich geputzt werden.

Die richtige Putztechnik: "KAI" macht weiße Zähne!

Um sich die richtige Reihenfolge beim Zähneputzen zu merken, empfehlen Zahnärzte eine Eselsbrücke: die Abkürzung KAI. Sie steht für Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen. Beim Putzen der Kinderzähne beginnt man am besten bei den oberen Zähnen, solange die Zahnpasta noch fest ist und daher nicht herunter tropft. Danach werden die unteren Zähne geputzt. Zahnärzte erläutern: Die beste Putzbewegung ist eine auf der Stelle rüttelnde, bei der die Bürste leicht schräg am Zahnfleischrand angesetzt wird. Für Kinder, die schon selbst putzen, wird eine Kreisbewegung empfohlen, sie ist leichter auszuführen. Wichtig ist, mit nur leichtem Druck zu putzen, kräftiges Schrubben reizt das empfindliche Zahnfleisch.

Zähne putzen - bis ins Schulalter nur in Teamwork!

Erste Putzversuche sollte ein Kind machen dürfen, sobald es dies möchte. Denn Selbermachen macht stolz und kann der gefürchteten Zahnputz-Verweigerung der Jüngsten vorbeugen. Kindergartenkinder ab drei können schon die Kauflächen putzen, später schaffen sie auch kreisende Putzbewegungen an den Außenflächen (oben und unten gleichzeitig bei geschlossenem Biss), und erst um das Vorschulalter herum auch die Innenseiten. Bis zum Schulalter sollten Eltern das Reinigungswerk anschließend immer noch selbst vollenden. Zahnärzte geben den Tipp, so lange nachzuputzen, bis das Kind flüssig schreiben kann (etwa im 2. Schuljahr). Denn dann ist seine Motorik ausgereift genug, um auch die Zähne mit der KAI-Technik systematisch zu putzen.

Wenn das Kind nicht Zähne putzen will

Die Zahnputzzeit ist in vielen Familien zuverlässig der Startschuss für Stress mit dem Nachwuchs. Besser als Schimpfen und Zwang hilft Ablenkung: eine Handpuppe überziehen und sie die Zähnchen des Kindes putzen lassen, während sie sich mit verstellter Stimme mit dem Nachwuchs unterhält (kleine Kinder vergessen bei sprechenden Figuren schon nach Augenblicken, das diese nicht echt sind). Auch Ablenkung mit Alltagsgegenständen, die das Kind normalerweise nicht haben darf, funktioniert oft gut (Autoschlüssel, altes Handy zum Knöpfedrücken). Das Kind  sollte sich die Kinderzahnbürste selbst aussuchen dürfen, auch das erhöht die Motivation. Ab etwa vier Jahren kann ein Kind auch eine elektrische Zahnbürste halten, was den meisten Kindern viel mehr Spaß macht als eine Handzahnbürste. Es gibt extra weiche Aufsätze und Modelle mit Kindermotiven.

Offener Biss durch Daumen oder Schnuller

Liebt das Kind seinen Daumen oder Schnuller zu sehr, kann es einen sogenannten "lutschoffenen Biss" entwickeln: obere und untere Schneidezahnreine schließen sich nicht, wenn es zubeißt. Das hat viele Nachteile: Das Kind kann schlecht abbeißen, es entwickelt oft ein Lispeln, weil manche Laute ein Schließen der Schneidezähne erfordern, und es atmet lieber durch den Mund anstatt durch die Nase, was Infekte begünstigt. Hört das Kind bis zum Alter von etwa zwei Jahren mit dem Dauernuckeln auf, kann sich die Kiefer-Fehlstellung oft noch von selbst zurückbilden. Deshalb empfehlen Zahnärzte, Kinder mit zwei Jahren oder früher vom Schnullern zu entwöhnen.

Schon mit Milchzähnen das erste Mal zum Zahnarzt

Es macht Sinn, schon mit Durchbruch der ersten Milchzähne mit dem Kind das erste Mal zum Zahnarzt zu gehen. Er berät zu den jetzt auftretenden Fragen in Sachen Zahnpflege oder Fluoridierung. Spätestens aber, wenn alle Milchzähne da sind, also im Alter von zwei bis drei Jahren, sollten Eltern mit dem Nachwuchs regelmäßig zur Kontrolle gehen. Wem an den Zähnen schon vorher etwas auffällt (z. B. ein weißer Fleck, eine dunkle Stelle), der sollte natürlich sofort einen Termin ausmachen. 

Am besten ist es, wenn der erste Besuch beim Zahnarzt nicht als etwas Besonderes angekündigt wird. So bekommt der Gang in die Praxis etwas Selbstverständliches. Idealerweise war das Kind auch schon ein paarmal dabei, wenn die Eltern selbst zum Zahnarzt gingen. Wer eine in erreichbarer Nähe hat, sollte eine spezielle Kinder-Zahnarztpraxis wählen. Dort hat man Erfahrung mit der Behandlung von Kindern, nimmt sich viel Zeit und kann auch eventuelle Ängste beruhigen.

Bei tiefem Rillen sollten die Zähne versiegelt werden

Wenn der Zahnarzt feststellt, dass ein Kind recht tiefe Rillen (Fissuren) in den bleibenden Backenzähnen hat, sollten diese versiegelt werden. Denn in solche Rillen kommt die Zahnbürste nicht hinein, Bakterien fühlen sich wohl und verursachen schnell Zahnfäule. Man kann mit der Versiegelung beginnen, sobald die ersten bleibenden Backenzähne da sind. Hierbei wird die Kaufläche leicht aufgeraut und mit Kunststoff ausgegossen. Diese Schutzschicht muss nach einigen Jahren erneuert werden, den Zeitpunkt bestimmt der Abnutzungsgrad. Die Kosten für die Versiegelung der bleibenden großen Backenzähne übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen. Wer auch die (davor liegenden) kleinen Backenzähne, oder auch schon die Milch-Backenzähne versiegeln lassen möchte, muss dies selbst bezahlen.